Aus Kohlegruben werden Seen: NRWs Milliardenprojekt mit Pipeline-Start in Elsdorf
Finn HoffmannAus Kohlegruben werden Seen: NRWs Milliardenprojekt mit Pipeline-Start in Elsdorf
Aus Braunkohlegruben werden Seen: Großprojekt in Nordrhein-Westfalen offiziell gestartet
In Nordrhein-Westfalen hat ein ambitioniertes Vorhaben begonnen, ehemalige Braunkohletagebaue in riesige Seenlandschaften zu verwandeln. Den Auftakt bildete eine feierliche Grundsteinlegung in Elsdorf, wo der Bau einer 45 Kilometer langen Pipeline startete, die Rheinwasser in das Tagebaurestloch Hambach leiten soll. Behörden und der Energiekonzern RWE versprechen sich von dem Projekt einen Aufschwung für den Tourismus, neue Arbeitsplätze und eine grundlegende Neugestaltung der Region.
Geplant ist, in den kommenden Jahrzehnten drei ehemalige Tagebaue zu fluten. Ab 2030 soll Hambach geflutet werden, gefolgt von Inden im selben Jahr, während Garzweiler erst 2036 an der Reihe ist. Der Prozess wird voraussichtlich 40 Jahre dauern, wobei auch danach kontinuierlich Rheinwasser zugeführt werden muss, um den Wasserstand zu stabilisieren.
Die Pipeline besteht aus 10.000 riesigen Rohren – einige mit einem Durchmesser von über zwei Metern – und wird Wasser aus dem Rhein zum Tagebau Hambach transportieren. RWE-Vorstandsmitglied Lars Kulik bezeichnete das Projekt als Symbol für "Verlässlichkeit und Zukunftschancen" und betonte seine Bedeutung für die Entstehung neuer Seen, den Schutz von Feuchtgebieten und die wirtschaftliche Entwicklung. Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller erwartet, dass der entstehende "Elsdorfer See" die Stadt bekannt machen wird.
Doch es gibt auch massive Kritik. Umweltverbände wie der BUND und die Initiative Alle Dörfer bleiben stellen die Wasserqualität infrage und verweisen auf die rund 30.000 Chemikalien im Rhein, deren Langzeitwirkungen unklar seien. Zudem warnen sie, dass Pyrit im Grubenabraum das Grundwasser dauerhaft mit Sulfat belasten könnte. Andreas Büttgen von der Bürgerinitiative Bürirer für Bürir bezeichnet RWEs Renaturierungsplan als "Spitzenstrategie", die es dem Konzern ermöglichen könnte, sich langfristig aus der Verantwortung zu stehlen.
RWE hat bereits die Genehmigungen für die Wasserentnahme und den Pipelinebau erhalten. Während die Erlaubnis zur Einleitung von Wasser in den Tagebau Hambach Anfang 2026 noch ausstand, wurden alle weiteren notwendigen Bewilligungen für die Pipeline und die Flutungspläne bis Ende 2025 von den nordrhein-westfälischen Umwelt- und Bergbaubehörden erteilt. Die Aufsicht obliegt vor allem dem Wirtschaftsministerium des Landes und dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV).
Der Baubeginn der Pipeline markiert den Start einer jahrzehntelangen Umgestaltung der Region. Gelingt das Vorhaben, entstehen aus den gefluteten Gruben dauerhafte Seen, die das lokale Ökosystem und die Wirtschaft verändern werden. Doch die Diskussionen über die Wassersicherheit und die langfristigen ökologischen Risiken bleiben weiterhin ungelöst.






