Bergisch Gladbachs Grundschulen kämpfen mit unvorbereiteten Kindern und wachsenden Klassen
Ben KönigBergisch Gladbachs Grundschulen kämpfen mit unvorbereiteten Kindern und wachsenden Klassen
Grundschulen in Bergisch Gladbach stehen vor wachsenden Herausforderungen, da die Klassen größer werden und die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler vielfältiger werden. Immer mehr Kinder beginnen die Schule ohne die Grundkenntnisse, die früher im Kindergarten vermittelt wurden – mit der Folge, dass die Wiederholerquoten in den frühen Jahrgangsstufen steigen. Lehrkräfte und Schulleitungen passen ihre Methoden an, um leistungsschwächere Kinder zu fördern, doch die Belastung der Ressourcen ist spürbar.
In den letzten Jahren kommen immer mehr Kinder in Bergisch Gladbach ohne die nötigen Voraussetzungen in die Schule. Im Rheinisch-Bergischen Kreis zeigen etwa 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler behandlungsbedürftige Sprachauffälligkeiten, andere haben Schwierigkeiten mit motorischen oder sozial-emotionalen Fähigkeiten. Diese Defizite, die früher im Kindergarten ausgeglichen wurden, müssen nun die Schulen ausgleichen.
Engpässe in Kitas und Notbetreuung haben dazu geführt, dass manche Kinder unvorbereitet in die schulische Laufbahn starten. Um gegenzusteuern, werden vorschulische Lerninhalte vermehrt in den Anfangsunterricht der Grundschule integriert. Die flexible Schuleingangsphase in Nordrhein-Westfalen ermöglicht es den Kindern, ein, zwei oder sogar drei Jahre für die ersten Schuljahre zu benötigen – wobei das dritte Jahr nicht in die offizielle Schulzeit angerechnet wird.
Die Folgen sind im Schulalltag sichtbar: Einige erste Klassen zählen mittlerweile 29 Kinder, viele davon mit Lernschwierigkeiten oder besonderem Förderbedarf. Die Wiederholerquoten in der ersten und zweiten Klasse steigen, da Schulen frühzeitig Kinder identifizieren, die Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren. Für das Schuljahr 2026/2027 werden in Duisburg 547 Schülerinnen und Schüler die Eingangsphase auf drei Jahre ausdehnen – eine formale Verlängerung des Schulstarts statt einer klassischen Klassenwiederholung.
Schulleitungen planen die Klassenbildung inzwischen danach, welche Zweitklässler zusätzliche Zeit benötigen könnten. Dieser Wandel spiegelt einen bundesweiten Trend wider: größere Klassen, heterogenere Lernvoraussetzungen und ein Schulsystem, das sich an Kinder anpassen muss, die immer weniger vorbereitet sind.
Die Veränderungen an den Bergisch Gladbacher Grundschulen verdeutlichen ein übergeordnetes Problem in ganz Nordrhein-Westfalen. Da immer mehr Kinder besondere Unterstützung brauchen, strukturieren Schulen die frühe Bildung um und verlängern die Eingangsphase. Das Ergebnis ist ein System unter Druck, das wachsende Klassenstärken mit dem Auftrag vereinen muss, grundlegende Wissenslücken zu schließen, bevor sie sich vertiefen.






