Biogaswerk Bennings steht still: Wie die Politik die Energiewende ausbremst
Finn HoffmannBiogaswerk Bennings steht still: Wie die Politik die Energiewende ausbremst
Stillstand im Biogaswerk Bennings: Wie Politik die Energiewende bremst
Die jüngste Abschaltung eines Blockheizkraftwerks (BHKW) im Biogaswerk der Familie Bennings unterstreicht die Herausforderungen, vor denen Deutschlands Erneuerbare-Energien-Sektor steht. Nach dem Wegfall von staatlichen Fördergeldern musste eines von fünf BHKW des Betriebs stillgelegt werden – mit der Folge, dass Anwohner wieder auf fossile Brennstoffe ausweichen mussten. Gleichzeitig deuten aktuelle Studien darauf hin, dass Biogas eine weitaus größere Rolle bei der Schließung von Stromlücken spielen könnte – vorausgesetzt, rechtliche Hürden werden abgebaut.
20 Jahre lang hatte die Familie Bennings ihr BHKW im nordrhein-westfälischen Maria Veen mit Unterstützung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) betrieben. Als die Förderung auslief, bewarb sich der Betrieb 2023 um einen Bundesförderzuschuss für den Netzanschluss – vergeblich, wie viele andere Antragsteller auch. Ohne finanzielle Absicherung blieb nur die Stilllegung, wodurch nahegelegene Wärmeabnehmer von Biogas auf Erdgas umsteigen mussten. Damit entfallen jährlich rund 700 Megawattstunden erneuerbare Wärme.
Dennoch plant die Familie Bennings, ihren Standort für eine flexible, bedarfsgerechte Stromerzeugung umzurüsten und wird sich in künftigen Ausschreibungsrunden erneut bewerben. Ihr Fall steht exemplarisch für eine bundesweite Entwicklung: Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es rund 1.100 Biogasanlagen, die unabhängig von Wetterbedingungen zuverlässig Strom und Wärme liefern könnten.
Neue politische Weichenstellungen sollen dieses Potenzial heben. Ein Ende 2024 beschlossenes und seit Februar 2025 gültiges „Biogas-Paket“ bietet bessere Konditionen für Anlagen, die Strom flexibel ins Netz einspeisen. Doch die Unsicherheit bleibt: Die EU-Kommission hat das Gesetz noch nicht genehmigt, sodass Betreiber in einer Art Schwebezustand verharren.
Studien verdeutlichen, was auf dem Spiel steht. Eine Analyse aus dem Jahr 2024 kommt zu dem Schluss, dass Biogas bis 2040 etwa die Hälfte des fehlenden Strombedarfs in wind- und sonnenarmen Phasen decken könnte. Experten schätzen, dass modernisierte Biogasanlagen bundesweit bis zu 50 Prozent des sogenannten Reststrombedarfs abdecken könnten. Das Projekt „Visuflex“ hat bereits gezeigt, wie aufgerüstete Anlagen zuverlässig Versorgungslücken schließen können – genug, um theoretisch rund zwei Millionen Haushalte mit Wärme zu versorgen.
Der Stillstand bei Bennings macht deutlich, welche konkreten Folgen Verzögerungen in der Energiepolitik für die Praxis haben. Mit der richtigen Unterstützung könnte Biogas zu einem zentralen Baustein für die Stabilisierung des deutschen Stromnetzes werden. Doch solange die EU-Zustimmung aussteht, bleibt für Anlagenbetreiber ungewiss, welche Rolle sie in der Energiewende künftig noch spielen werden.






