03 April 2026, 12:11

Bottrops Lesung entfacht Debatte über Abtreibungsrechte und §218 am Safe Abortion Day

Eine Gruppe von Menschen marschiert mit einem 'Solidarität und Feminismus'-Schild die Straße entlang, mit parkenden Fahrzeugen, Gebäuden, einer Schüsselantenne und einem klaren blauen Himmel im Hintergrund.

Bottrops Lesung entfacht Debatte über Abtreibungsrechte und §218 am Safe Abortion Day

Eine aktuelle Lesung in Bottrop hat die anhaltende Debatte um Abtreibungsrechte in Deutschland in den Fokus gerückt. Die Autorin Nora Burgard-Arp stellte ihren dystopischen Roman "Wir nicht" vor, der eine Gesellschaft entwirft, in der das reproduktive Leben von Frauen streng kontrolliert wird. Die Veranstaltung, organisiert vom Gleichstellungsbüro der Stadt, fiel mit dem "Safe Abortion Day" zusammen – einer jährlichen Kampagne, die sich für Abtreibung als grundlegende medizinische Leistung einsetzt.

Die deutschen Abtreibungsgesetze sind das Ergebnis von über einem Jahrhundert juristischer und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen. Seit 1871 steht der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch (StGB), auch wenn Reformen und regionale Unterschiede – insbesondere zwischen Ost- und Westdeutschland – die Rahmenbedingungen im Laufe der Zeit verändert haben. Heute mehren sich die Forderungen, die entsprechenden Paragrafen (218–219a) aus dem Strafrecht zu streichen. Bottrop gehört zu den Städten, die sich für eine solche Reform starkmachen.

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Burgard-Arps Roman erzählt die Geschichte von Mathilda, einer Frau, die in einem Regime lebt, in dem selbst der Menstruationszyklus überwacht wird. Anfangs fügt sie sich widerstandslos in die Vorgaben – bis eine ungewollte Schwangerschaft sie mit der Grausamkeit des Systems konfrontiert. Als es ihr nicht gelingt, ihren Zykluskalender zu manipulieren, verschweigt sie die Schwangerschaft vor ihrem Mann und beginnt, die unterdrückerischen Strukturen um sie herum zu hinterfragen.

Die Lesung in Bottrop fand am 26. September 2025 statt, nur wenige Tage vor dem "Safe Abortion Day" am 28. September. Burgard-Arp, deren Buch bei der Veranstaltung ausverkauft war, bietet zudem kostenlose Schullesungen auf Einladung von Lehrkräften an. Im Anschluss an die Textpassage entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über politische Verantwortung und die Gefahren dystopischer Kontrolle über den Körper von Frauen.

Die deutsche Abtreibungsdebatte hat tiefe historische Wurzeln. Bereits in den 1920er- und 1930er-Jahren forderten feministische und sozialistische Bewegungen eine Legalisierung. Die Nachkriegszeit brachte dann deutliche Gegensätze: Während die DDR Abtreibungen erlaubte, hielt die Bundesrepublik an strengen Beschränkungen fest. Die feministische Welle der 1970er- bis 1990er-Jahre belebte die Reformbestrebungen neu, und die Wiedervereinigung zwang zu Kompromissen. Seit den 2000er-Jahren argumentieren zunehmend Mediziner:innen, Aktivist:innen und progressive Politiker:innen für eine vollständige Entkriminalisierung – sie betrachten den Zugang zu Abtreibung als gesundheitliches Recht und nicht als strafrechtliches Problem.

Die Bottroper Veranstaltung unterstrich die Dringlichkeit der deutschen Reformbewegung. Burgard-Arps Roman, verbunden mit dem "Safe Abortion Day", verband Literatur und Aktivismus, um die bestehenden Gesetze infrage zu stellen. Mit Städten wie Bottrop, die sich aktiv für Veränderungen einsetzen, bleibt die Forderung nach Streichung der Abtreibungsparagrafen aus dem Strafgesetzbuch ein zentrales Thema in der politischen und gesellschaftlichen Debatte des Landes.

Quelle