13 March 2026, 14:05

Erzbistum Paderborn enthüllt 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte

Ein Buch mit Bildern und Texten, das die Geschichte der katholischen Kirche beschreibt, einschließlich Bilder von ihren Räumen, Fluren und erhaltenen Artefakten.

Bistumspfarrer von Paderborn Bentz bittet um Vergebung nach Missbrauchsstudie - Erzbistum Paderborn enthüllt 489 Missbrauchsfälle über sechs Jahrzehnte

Das Erzbistum Paderborn hat ein weitaus größeres Ausmaß historischen Missbrauchs aufgedeckt, als bisher bekannt war. Eine neue Studie identifiziert 489 Fälle sexuellen Missbrauchs zwischen 1941 und 2002, an denen 210 beschuldigte Personen beteiligt waren. Bischof Udo Markus Bentz hat die Opfer nun um Vergebung gebeten und die Ergebnisse als Beleg für ein institutionelles Versagen bezeichnet.

Die unabhängige Untersuchung förderte Missbrauchsfälle zutage, die sich über sechs Jahrzehnte erstrecken. Von den 489 dokumentierten Fällen betrafen viele Kleriker und Kirchenmitarbeiter. Bischof Bentz bezeichnete die Ergebnisse als vernichtendes Urteil über das frühere Handeln der Kirche.

Noch vor Veröffentlichung der Studie war in einem nicht damit zusammenhängenden Kommentar der verstorbene Kardinal Johannes Joachim Degenhardt erwähnt worden. Erste Erkenntnisse hatten ihn bereits mit früheren Vorwürfen in Verbindung gebracht, die in einem Fachbericht aus dem Jahr 2021 aufgeführt wurden. Seit der Studie von 2023 wurden zwar keine neuen Fälle bestätigt, doch führten aktuelle Berichte aus den Jahren 2024 und 2025 zu weiteren Überprüfungen.

Reinhold Harnisch, Vertreter von Missbrauchsopfern, begrüßte Bentz' Entschuldigung. Gleichzeitig unterstützte er Forderungen, Straßen und öffentliche Plätze umzubenennen, die Degenhardt und Kardinal Lorenz Jaeger ehren – beide werden vorgeworfen, Missbrauch vertuscht zu haben. Das Bistum hat zugesagt, Degenhardts Rolle noch eingehender zu prüfen.

Bisher hat die katholische Kirche in Deutschland 93 Millionen Euro an Entschädigungen an Überlebende gezahlt. Das Erzbistum Paderborn kündigte an, seine unabhängigen Untersuchungen zu historischem Missbrauch fortzusetzen.

Der Bericht bestätigt 489 Missbrauchsfälle über einen Zeitraum von 41 Jahren, wobei seit 2023 keine neuen Vorfälle belegt wurden. Bentz' Entschuldigung stellt eine offizielle Anerkennung des systemischen Versagens dar. Das Bistum wird sich nun auf die weitere Aufarbeitung vergangener Verfehlungen konzentrieren und die Forderungen nach symbolischen Änderungen angehen.

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