Gericht kippt Edeka-Zahlungsfristen: Milchbauern müssen länger auf ihr Geld warten
Ben KönigGericht kippt Edeka-Zahlungsfristen: Milchbauern müssen länger auf ihr Geld warten
Ein deutsches Gericht hat das Verbot der verlängerten Zahlungsfristen von Edeka für Milchlieferanten aufgehoben. Mit dem Urteil darf der Handelskonzern weiterhin Verträge aushandeln, die über die übliche 30-Tage-Grenze hinausgehen. Die Entscheidung stellt einen weiteren Rückschlag für das Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) bei der Durchsetzung der Lieferkettengesetze dar.
Das Oberlandesgericht Düsseldorf urteilte, dass Edekas Zahlungsfristen von über 49 Tagen für leicht verderbliche Milch- und Sahneprodukte nicht gegen geltendes Recht verstoßen. Nach dem Gesetz zur Stärkung der landwirtschaftlichen Organisation und der Lieferketten (AgrarOLkG) müssen Händler Lieferanten in der Regel innerhalb von 30 Tagen bezahlen – abhängig von Unternehmensgröße und Umsatz. Das Gericht stellte jedoch fest, dass das BLE den Umsatz von Edeka falsch berechnet hatte, was zu einer fehlerhaften Anwendung der Vorschriften führte.
Das BLE hatte 2023 nach Berichten über die verlängerten Zahlungsfristen mit dem Milchlieferanten Arla Foods ein Verbot gegen Edeka verhängt. Doch das Gericht wies dies zurück und begründete, dass solche Fristen keine unlauteren Handelspraktiken darstellten. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte das Vorgehen des BLE als rechtlich fragwürdig und forderte mehr Zurückhaltung, sofern keine klaren Verstöße vorlägen.
Es ist bereits das zweite Mal, dass gerichtlich Entscheidungen des BLE auf Basis des Lieferkettengesetzes kassiert wurden. Die Behörde prüft nun das Urteil und erwägt eine Revision beim Bundesgerichtshof. Eine endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen soll nach einer detaillierten Analyse der Urteilsbegründung folgen.
Das Urteil ermöglicht es Edeka, die verlängerten Zahlungsvereinbarungen mit Arla Foods beizubehalten. Gleichzeitig wirft es Fragen zur Durchsetzungspraxis des BLE auf, da bereits zwei von fünf Entscheidungen der Behörde auf Basis des Lieferkettengesetzes von Gerichten zurückgewiesen wurden. Das Ergebnis könnte künftige Streitigkeiten zwischen Händlern und Lieferanten beeinflussen.






