Kunststoffindustrie im Umbruch: Chinas Aufstieg und Europas schwindende Dominanz
Finn HoffmannChina verkauft deutlich mehr Maschinen für die Kunststoffproduktion - Kunststoffindustrie im Umbruch: Chinas Aufstieg und Europas schwindende Dominanz
Die globale Kunststoffindustrie stützt sich weiterhin stark auf fossile Rohstoffe – 2023 stammten über 80 Prozent der Produktion aus herkömmlichen Quellen. Im selben Jahr machten kreislauffähige Materialien lediglich 20 Prozent des Marktes aus, was etwa 2 Millionen Tonnen entspricht. Gleichzeitig verändern Verschiebungen in der Maschinenproduktion die Branche: Während Chinas Einfluss rasant wächst, verliert Europa seine einstige Vorreiterrolle.
2023 erreichte die europäische Produktion von Kunststoff- und Kautschukmaschinen einen Wert von 17,7 Milliarden Euro, wobei Deutschland fast die Hälfte dieses Betrags beisteuerte. Das Land bleibt ein zentraler Akteur und vereint rund 50 Prozent des europäischen Geschäfts in diesem Sektor auf sich. Doch Europas Anteil am weltweiten Maschinenabsatz ist 2024 auf 43 Prozent gesunken – ein deutlicher Rückgang gegenüber den deutlich höheren Werten vergangener Jahrzehnte.
Chinas Marktpräsenz hat sich indes dramatisch ausgeweitet: Lag der Anteil 2000 noch bei nur 4 Prozent, so beträgt er 2024 bereits 32 Prozent. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu den USA, deren Marktanteil im gleichen Zeitraum von 18 auf 7 Prozent schrumpfte. Zwar dominiert kein einzelnes europäisches Unternehmen die Maschinenproduktion, doch bei nachhaltigen Verpackungsfolien führen nach wie vor europäische Konzerne wie Amcor, Mondi, Constantia Flexibles und Coveris das Feld an.
In Deutschland variiert der Kunststoffeinsatz je nach Branche stark: Verpackungen verbrauchen rund 30 Prozent aller Kunststoffe, die Bauindustrie 24 Prozent und der Fahrzeugbau 11 Prozent. Auch in Möbeln, Elektronik und unzähligen Alltagsprodukten kommt das Material zum Einsatz. Diese Trends stehen im Fokus der K-Messe in Düsseldorf, wo 2024 rund 3.200 Aussteller und über 180.000 Besucher erwartet werden.
Bei hochwertigen Folien dominieren mittlerweile chinesische Hersteller wie Forop Advanced Materials, die Hengli Group und Senior Technology Material. Sie setzen auf Hochgeschwindigkeits-Technologie zum biaxialen Strecken, die oft vom deutschen Maschinenbauer Brückner Maschinenbau stammt. Aktuelle Daten zum genauen Marktanteil Chinas in diesem Nischensegment seit 2020 liegen jedoch nicht vor.
Die Kunststoffbranche steht an einem Scheideweg: Zwar dominieren nach wie vor fossile Rohstoffe, doch kreislauffähige Alternativen gewinnen langsam an Boden. Chinas rasanter Aufstieg in der Maschinenproduktion kontrastiert mit Europas schrumpfendem Marktanteil, während deutsche Expertise in Hochtechnologie-Anwendungen unverzichtbar bleibt. Wie sich das globale Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit und traditioneller Produktion entwickelt, wird die künftigen Marktdynamiken maßgeblich prägen.






