30 March 2026, 12:08

NRW gibt 287 Millionen Euro Digitalmittel ungenutzt zurück – und scheitert an KI und Reformen

Eine Gruppe von Männern sitzt um einen Tisch mit Laptops, Wasserflaschen, Mobiltelefonen und Papieren, vor einer Wand mit dem Logo und Text des Nigerianischen Regierungsprogramms für digitale Governance.

NRW gibt 287 Millionen Euro Digitalmittel ungenutzt zurück – und scheitert an KI und Reformen

Nordrhein-Westfalen gibt 287 Millionen Euro ungenutzte Digitalmittel zurück

Nordrhein-Westfalen (NRW) hat rund 287 Millionen Euro nicht verwendete Gelder für seine Initiative "Digitaler Staat" an das Bundesfinanzministerium zurücküberwiesen. Der Schritt erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem das Land wegen seines Digitalisierungsfortschritts in die Kritik gerät – insbesondere wegen Verzögerungen bei der Einführung von KI und Führungsproblemen im zuständigen Ministerium. Kritiker monieren mangelnde Effizienz und eine unklare strategische Ausrichtung unter den aktuellen Strukturen.

Laut dem "Authority Digimeter" des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln liegt NRW zwar bundesweit an der Spitze bei digitalen Verwaltungsdienstleistungen. Dennoch gelingt es dem Land nicht, die bereitgestellten Digitalisierungsmittel voll auszuschöpfen. Der Landesrechnungshof (LRH) empfahl kürzlich, einen eigenen "Digitalchef" mit echten Entscheidungsbefugnissen einzurichten – angesiedelt in der Staatskanzlei. Bisher ist die Digitalisierung dem Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung zugeordnet und nicht in einem eigenständigen Ressort gebündelt. Zudem blieb die Position des Chief Information Officers (CIO) über längere Zeit unbesetzt oder wurde von Beamten wahrgenommen, die mehrere Aufgaben gleichzeitig stemmen mussten.

Auch bei der KI-Nutzung hinkt NRW hinterher. Anders als Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg oder Hessen hat das Land künstliche Intelligenz bisher kaum in die öffentliche Verwaltung integriert. Der vor eineinhalb Jahren gestartete KI-Assistent "NRW.Genius" befindet sich noch in der Testphase – bisher haben nur 10.000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes Zugang erhalten. Zudem fehlen vergleichende Daten, um NRWs digitale Infrastruktur und KI-Strategie mit denen anderer führender Bundesländer der vergangenen fünf Jahre zu vergleichen.

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Die für die Digitalisierung zuständige Ministerin Ina Scharrenbach (CDU) sieht sich zunehmend mit Vorwürfen konfrontiert. Es gibt Berichte über einen autoritären Führungsstil, Mobbing am Arbeitsplatz und fachliche Fehlentscheidungen in Digitalprojekten. Angela Freimuth, digitalpolitische Sprecherin der FDP, räumte jedoch ein, Scharrenbach zeige erstmals Bereitschaft, die Digitalisierungsbemühungen unter einer zentralen Behörde zu bündeln. Philipp Sprengel vom Bund der Steuerzahler bezeichnete die Rückgabe von 287 Millionen Euro als "schlechtes Zeichen" für die Effizienz der Landesverwaltung.

Die Rückführung ungenutzter Mittel und die zögerliche KI-Einführung unterstreichen die anhaltenden Herausforderungen in NRWs Digitalisierungsstrategie. Zwar bleibt das Land Vorreiter bei Online-Dienstleistungen, doch die Forderungen nach strukturellen Reformen – etwa durch einen eigenen Digitalchef und klarere Verantwortlichkeiten – werden lauter. Die nächsten Schritte werden zeigen, ob es NRW gelingt, diese Probleme zu lösen und seine digitalen Ambitionen mit den finanziellen Zusagen in Einklang zu bringen.

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