13 March 2026, 08:09

NRW-Landwirte droht 29-Prozent-Einkommenssturz bis 2026 – Existenzkämpfe verschärfen sich

Ein altes Buch mit dem Titel "Journal d'Agriculture Pratique" mit einem Bild einer Farm auf dem Cover.

NRW-Landwirte droht 29-Prozent-Einkommenssturz bis 2026 – Existenzkämpfe verschärfen sich

Landwirte in Nordrhein-Westfalen (NRW) stehen vor einem erneuten drastischen Einkommensrückgang. Aktuelle Prognosen der Landwirtschaftskammer zeigen, dass konventionelle Vollerwerbsbetriebe im Geschäftsjahr 2025/26 mit einem Rückgang ihrer Erträge um 29 Prozent rechnen müssen. Viele familiengeführte Höfe kämpfen bereits jetzt damit, ihre grundlegenden Lebenshaltungskosten zu decken – von Investitionen in den Betrieb ganz zu schweigen.

Die Vorhersage basiert auf Finanzdaten aus dem NRW-Buchführungsnetz der Landwirtschaft. Im Durchschnitt werden diese Betriebe 2025/26 voraussichtlich 73.311 Euro erwirtschaften – ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren. Doch selbst diese Summe täuscht: Ein großer Teil davon fließt in Steuern, Sozialabgaben, Kreditrückzahlungen und unverzichtbare Haushaltsausgaben.

Die Krise ist das Ergebnis jahrelanger Gewinnrückgänge. Zwischen 2018 und 2024 sanken die Nettoeinkommen deutscher Vollerwerbslandwirte von etwa 28.000 Euro auf unter 15.000 Euro pro Betrieb. Steigende Produktionskosten – angetrieben durch den Ukraine-Krieg, Inflation sowie explodierende Preise für Düngemittel, Energie und Tierfutter – haben die Margen weiter zusammengedrückt. Gleichzeitig drücken niedrige Marktpreise für Milch, Getreide und Schweinefleisch, verursacht durch globale Überproduktion und billige Importe, die Erlöse zusätzlich nach unten.

Verschärfte EU-Umweltvorschriften wie die Düngeverordnung und Pestizid-Reduktionsziele erhöhen den Druck. Auch die Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) hat die Direktzahlungen gekürzt und den Landwirten damit wichtige Unterstützung entzogen. Der Klimawandel verschärft die Lage: Wiederkehrende Dürreperioden zwischen 2018 und 2022 haben die Ernten stark beeinträchtigt.

Die Unsicherheit bleibt hoch. Mögliche Störfaktoren wie Tierseuchen oder eine Eskalation der Spannungen im Iran könnten die Einkommen weiter in den Keller treiben.

Die aktuellen Zahlen bestätigen einen langfristigen Trend sinkender Rentabilität in der Landwirtschaft. Da die Gewinne kaum noch die Lebenshaltungskosten decken, fehlen vielen Betrieben die Mittel für Modernisierung oder Expansion. Die Landwirtschaftskammer warnt: Ohne Kurskorrekturen wird sich die finanzielle Belastung der Vollerwerbslandwirte weiter verschärfen.

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