21 March 2026, 08:06

NRW plant umstrittene "ABC-Klassen" für Sprachförderung vor der Schule

Ein Blatt mit Text, auf dem steht, dass Kinder aus verschiedenen Tagesschulen mit Tee, Pflaumenbrot, Roastbeef und Pflaumenpudding versorgt werden.

NRW plant umstrittene "ABC-Klassen" für Sprachförderung vor der Schule

Nordrhein-Westfalen plant Einführung von "ABC-Klassen" für Kinder mit Deutschförderbedarf vor der Schule

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Nordrhein-Westfalen will ab dem Schuljahr 2028/2029 verpflichtende "ABC-Klassen" für Kinder einführen, die vor der Einschulung gezielte Sprachförderung im Deutschen benötigen. Der Gesetzentwurf soll im März 2026 in den Landtag eingebracht werden. Doch das Vorhaben stößt bei Bildungsgewerkschaften, Kommunalpolitikern und Fachleuten auf massive Kritik – vor allem wegen der Umsetzung und möglicher negativer Folgen für die jüngsten Lernenden.

Die neuen "ABC-Klassen" sollen die bestehenden Kita-Angebote ergänzen und gezielt Sprachförderung bieten. Zwar wird das Projekt vom Land finanziert, doch Gewerkschaften wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) monieren, dass zentrale Probleme ungelöst bleiben. Sie verweisen auf Personalmangel, fehlende pädagogische Konzeption und mangelnde Expertise, um das Modell erfolgreich umzusetzen.

Kritiker wie die Expertin Simone Lammert warnen, die Klassen könnten ein paralleles System schaffen, statt die bestehenden Förderstrukturen zu stärken. Maja Wehrmann gibt zu bedenken, dass Kinder durch die Herauslösung aus ihren vertrauten Kita-Gruppen in ihren Lernroutinen gestört werden und Stigmatisierungsrisiken drohen. Jessica Schliewe betont, dass Sprachentwicklung am besten in vertrauten Beziehungen und alltäglichen Interaktionen gelinge – genau das böten Kitas bereits.

Auch die CDU und die Grünen in Solingen befürworten zwar frühe Sprachförderung, lehnen die geplanten "ABC-Klassen" aber ab. Sie plädieren dafür, die bestehenden Kita-Angebote auszubauen, statt ein unausgereiftes neues Modell einzuführen. Kommunalpolitiker teilen diese Bedenken und weisen darauf hin, dass wichtige Akteure wie das Kommunale Integrationszentrum noch keine Klarheit darüber haben, wie die Neuregelung in die bestehenden Strukturen eingebunden werden soll. Diese Unsicherheit blockiert bereits jetzt die lokale Planung und Abstimmung.

In anderen Bundesländern wie dem Saarland starten ähnliche verpflichtende Sprachfördermodelle ab April 2026 als Pilotprojekte – inklusive Test- und Unterstützungsphasen. Dies spiegelt einen bundesweiten Trend zur Standardisierung wider. Doch eine flächendeckende Umsetzung oder eine tägliche Verknüpfung mit dem Kita-Alltag gibt es bisher nicht, da die Ansätze noch neu sind.

Die Debatte um die "ABC-Klassen" zeigt die Spannungen zwischen landesweiten Reformen und kommunalen Realitäten. Ohne klarere Planung und bessere Abstimmung droht das Vorhaben, neue Probleme zu schaffen, statt bestehende zu lösen. Kommunalpolitiker und Bildungsexperten fordern weiterhin Nachbesserungen – mit dem Ziel, Sprachförderung stärker in den Kita-Alltag zu integrieren.

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