04 April 2026, 20:06

Systematische Grausamkeit: Wie ein Junge im Heim jahrelang missbraucht wurde

Ein historisches Dokument, das einen Prozess gegen Lord Baltimore wegen angeblicher Vergewaltigung zeigt, einschließlich Illustrationen von Menschen, Vorhängen und geschriebenem Text.

Systematische Grausamkeit: Wie ein Junge im Heim jahrelang missbraucht wurde

Thomas Frauendienst wurde am 23. März 1964 mit einer schweren Behinderung geboren. Noch in den ersten Stunden nach seiner Geburt wurde er seinen Eltern weggenommen und in das Johanna-Helene-Heim in Volmarstein gebracht. Dort erlitt er jahrelangen systematischen Missbrauch, darunter Vergewaltigungen, erzwungene Hungerkuren und grausame medizinische Experimente.

Erst Jahrzehnte später kam sein Fall im Rahmen umfassender Ermittlungen zu institutioneller Gewalt in Nordrhein-Westfalen (NRW) ans Licht.

Ab der Nacht seiner Geburt war Frauendienst im Heim unter der Nummer 2033 im Register Kinder in Sonderbehandlung erfasst. Seine angeborene spastische Klumpfußfehlstellung machte ihn zum Ziel wiederholter Operationen und Medikamententests. Im Laufe der Zeit unterzog man ihn über 80 Eingriffen und verabreichte ihm unzählige Medikamente – oft ohne erkennbaren medizinischen Grund.

Die Mitarbeiter des Heims setzten ihn extremer Grausamkeit aus: Er wurde ans Bett gefesselt, nach den Mahlzeiten zum Erbrechen gezwungen und fast verhungern gelassen. Während er auf einer Trage lag, vergewaltigte ihn einer seiner Peiniger mehrfach.

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1968 rief eine Diakonisse seine Eltern an und behauptete, er liege im Sterben. Sie drohte damit, die Familie bloßzustellen, falls sie ihn nicht zurücknähmen. Die Eltern holten ihn ab – doch der Schaden war bereits angerichtet. Jahre lang übernahm eine Familienfreundin namens Ingrid die Arztrechnungen, da seine Eltern mit der Situation überfordert waren.

Offizielle Unterlagen zeigen, dass im Johanna-Helene-Heim zwischen 1947 und 1967 kein einziges Kind offiziell als Missbrauchsopfer geführt wurde. Fälle wie der von Frauendienst wurden erst später thematisiert – im Rahmen der Entschädigungsprogramme der 2010er-Jahre, die von der Evangelischen Kirche und den NRW-Behörden initiiert wurden. Eine Studie enthüllte später, dass etwa 20 Prozent der Jugendlichen in NRW-Heimen Opfer missbräuchlicher Medikamentenpraktiken wurden.

In den vergangenen Jahren erhielt Frauendienst von der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro. Die Zahlung anerkannte die sexuelle Gewalt, die er erleiden musste – doch sie erfolgte Jahrzehnte nach den Verbrechen.

Frauendienst' Fall ist einer von vielen, die aus dem institutionellen Fürsorgesystem NRWs bekannt werden. Seine Erlebnisse – dokumentierte Operationen, erzwungene Hungerkuren und sexueller Missbrauch – waren Teil eines größeren Musters von Vernachlässigung und Grausamkeit. Zwar wurden Entschädigungen gezahlt, doch das volle Ausmaß des Leids, das ihm und anderen zugefügt wurde, bleibt weiterhin Gegenstand der Aufarbeitung.

Quelle