16 March 2026, 00:58

Thalia Theater Hamburg inszeniert einen spektakulären Scheinprozess gegen die AfD

Eine Schwarz-Weiß-Zeichnung eines überfüllten Gerichtssaals mit stehenden und sitzenden Menschen, beschriftet mit «Der Prozess gegen die britische Armee in London, England».

Regisseur Milo Rau stellt die AfD im Theater vor Gericht - Thalia Theater Hamburg inszeniert einen spektakulären Scheinprozess gegen die AfD

Hamburgs Thalia Theater veranstaltet in diesem Jahr ein gewagtes Theaterprojekt im Rahmen der Hamburger Lessing-Tage: Der Schweizer Regisseur Milo Rau inszeniert ein dreitägiges "Prozess gegen Deutschland", in dem über ein mögliches Verbot der rechtsextremen AfD verhandelt wird. Die Produktion ist Rauhs erstes theaterbasiertes Tribunal in Deutschland und wird live auf der Website des Theaters übertragen.

Die Hamburger Lessing-Tage, 2010 vom ehemaligen Thalia-Intendanten Joachim Lux gegründet, stehen seit jeher für politisch engagierte Bühnenkunst. Die diesjährige Ausgabe, kuratiert von Matthias Lilienthal, gipfelt in Rauhs provokantem Scheinprozess. Anders als im klassischen Theater werden die Verhandlungen nicht von Schauspielern, sondern von Juristen und Rechtsexperten geführt.

Rauhs Ansatz verbindet dokumentarische Reenactments, Publikumseinbindung und reale Schauplätze. Zu seinen früheren Arbeiten zählen "Das Kongo-Tribunal" (2015), eine Bürgergerichtssimulation zu Verbrechen im Kongo, und "Die Moskauer Prozesse" (2013), eine Nachstellung von Stalins Säuberungen. Diese Projekte waren auf renommierten Festivals wie dem Festival d'Avignon, dem Berliner Theatertreffen und den Wiener Festwochen zu sehen. Im aktuellen Stück übernimmt die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin den Vorsitz als Richterin.

Beim "Prozess gegen Deutschland" kommen Juristen und Theaterpublikum zusammen, um eine brisante politische Frage zu erörtern. Die Veranstaltung ist auch online zugänglich und sprengt so die Grenzen des Theatersaals. Rauhs Werk bleibt eine Herausforderung für die Trennlinie zwischen Kunst und gesellschaftlicher Debatte.

AKTUALISIERUNG

Thalia Theater's AfD-Prozess endet unter geteilter Reaktion

Der dreitägige 'Prozess gegen Deutschland' im Thalia Theater endete am 16. Februar 2026 und sorgte für intensive Diskussionen. Wichtige Entwicklungen waren:

  • Der Prozess hatte echte Juristen wie die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin und AfD-Figuren wie Frauke Petry und Robert Farle dabei.
  • Es wurden fünf Sitzungen abgehalten, in denen eine AfD-Verbotsdebatte geführt und Zeugenaussagen sowie eine öffentliche Fragestunde stattfanden.
  • Die Reaktionen nach dem Event waren gespalten: Rechtsextreme supporters feierten es als 'Toleranztest', während Kritiker es als 'gescheiterten Dialog' bezeichneten, der keine neuen Perspektiven bot.