EU-Kommission reformiert Emissionshandel: Was sich für Industrie und Klima ändert
Finn HoffmannEU-Kommission reformiert Emissionshandel: Was sich für Industrie und Klima ändert
Die Europäische Kommission wird an diesem Mittwoch ihre neuesten Vorschläge zur Reform des EU-Emissionshandels (ETS) vorstellen. Der Schritt folgt auf jahrelange Debatten, in denen Wirtschaftsführer und Politiker Änderungen forderten, die Klimaziele mit wirtschaftlichen Realitäten in Einklang bringen.
Eine der zentralen Neuerungen sieht die dauerhafte Abschaffung der Streichung von Zertifikaten im Marktstabilitätsreservoir (MSR) vor – ein Mechanismus, der das Angebot an CO₂-Zertifikaten steuert. Unterdessen hat sich Christian Kullmann, Vorstandsvorsitzender des Chemiekonzerns Evonik, der einst eine Abschaffung oder grundlegende Reform des ETS gefordert hatte, nun mit dem EU-Abgeordneten Peter Liese zusammengetan, um für einen flexibleren Ansatz zu werben.
Seit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 hat der Emissionshandel erhebliche Veränderungen durchlaufen. 2018 führte die EU die vierte Handelsperiode (2021–2030) ein und senkte die jährliche Reduktionsrate auf 2,2 %. Im Rahmen des 2021 beschlossenen "Fit for 55"-Pakets wurde diese Rate ab 2024 auf 4,3 % erhöht und das System auf Schiffsemissionen ausgeweitet.
Parallel dazu verabschiedete die EU im Mai 2023 den CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), dessen Übergangsphase im Oktober 2023 begann. Der 2022 gestartete REPowerEU-Plan beschleunigte zudem den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und setzte die Industrie unter weiteren Anpassungsdruck.
Nun bereitet die Kommission Anpassungen der ETS-Benchmarks vor, insbesondere für die Chemieindustrie. Dies folgt auf Kritik von Branchenvertretern wie Kullmann, der das System zunächst ablehnte, nun aber gezielte Reformen unterstützt. In einem gemeinsamen Gastbeitrag mit Peter Liese plädierte er kürzlich für pragmatische Lösungen, die auf radikale Maßnahmen verzichten, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren.
Die aktuelle Reform sieht zudem ein dauerhaftes Ende der Zertifikatstreichung im MSR vor. Diese Änderung soll den CO₂-Markt stabilisieren, indem sie plötzliche Knappheiten oder Überschüsse an Zertifikaten verhindert.
Die anstehenden Vorschläge der Kommission werden bestimmen, wie sich Unternehmen in den kommenden Jahren an die Emissionsvorgaben anpassen müssen. Besonders Chemieunternehmen könnten von angepassten Benchmarks profitieren, die die Compliance-Erfordernisse erleichtern. Da der ETS nun mehr Sektoren abdeckt und strengere Reduktionsziele gilt, müssen sich Unternehmen auf ein verschärftes Regulierungsumfeld einstellen.






