Gastarbeiter-Generation leidet still unter psychischen Folgen der Migration
Nina BauerGastarbeiter-Generation leidet still unter psychischen Folgen der Migration
Vor mehr als 60 Jahren warb Deutschland ausländische Arbeitskräfte an, um die durch den Zweiten Weltkrieg entstandenen Lücken auf dem Arbeitsmarkt zu schließen. Darunter waren auch die Eltern des Komikers Fatih Çevikkollu, die mit der Erwartung einer vorübergehenden Beschäftigung nach Deutschland kamen. Damals planten weder die Arbeiter noch die Regierung eine langfristige Integration – Sprachkurse oder kulturelle Unterstützung galten als überflüssig.
Die ersten "Gastarbeiter" sollten nach wenigen Jahren in ihre Heimat zurückkehren. Doch in den 1970er-Jahren zwangen anhaltende Arbeitskräftemängel Deutschland dazu, diese Politik aufzugeben, sodass viele dauerhaft blieben. Çevikkollus Mutter, einst Grundschullehrerin in der Türkei, arbeitete plötzlich als Näherin in Deutschland – ein Wechsel, der mit beruflichen und sozialen Rückschlägen verbunden war.
Ältere Migrantinnen und Migranten sehen sich heute mit besonderen Herausforderungen im Gesundheitswesen konfrontiert. Viele leiden unter psychischen Problemen, doch nur etwa zehn Prozent der über 65-Jährigen mit Migrationshintergrund suchen Hilfe in Kliniken. Kulturell unterschiedliche Vorstellungen von Krankheit erschweren oft die Behandlung, während Einsamkeit und Isolation weit verbreitet sind.
Fachleute betonen die Notwendigkeit kultursensibler medizinischer und therapeutischer Ansätze. Interkulturelle Angebote in der psychischen Gesundheitsversorgung müssten ausgebaut werden, um diese Gruppe besser zu unterstützen. Çevikkollus Mutter litt beispielsweise wahrscheinlich in ihren späteren Jahren unter Psychosen, lebte allein und kämpfte ohne ausreichende Hilfe mit ihrer Erkrankung.
Das Erbe des deutschen Gastarbeiterprogramms wirkt bis heute nach und belastet ältere Migrantinnen und Migranten. Ohne maßgeschneiderte Gesundheitsversorgung stoßen viele weiterhin auf Barrieren beim Zugang zu psychologischer Unterstützung. Der Ausbau interkultureller Dienstleistungen könnte helfen, diese langjährigen Versorgungslücken zu schließen.






