16 March 2026, 12:13

Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Basma al-Sharif spaltet Politik und Kultur

Eine Gruppe von Menschen steht vor einem Geb├Ąude an der Universit├Ąt von Michigan, h├Ąlt Protestschilder, einige tragen M├╝tzen und Taschen, andere halten Kameras, B├Ąume und Pflanzen sind im Vordergrund zu sehen, und der Himmel im Hintergrund.

Offener Brief Warnt vor politischem Druck auf Universit├Ąten - Kunstakademie Düsseldorf: Streit um Basma al-Sharif spaltet Politik und Kultur

In Deutschland ist eine hitzige Debatte über die künstlerische Freiheit entbrannt, nachdem die palästinensische Künstlerin Basma al-Sharif an die Düsseldorfer Kunstakademie eingeladen wurde. Der Streit begann im Januar 2026 mit Vorwürfen des Antisemitismus und Forderungen, ihren Auftritt abzusagen. Nun haben über 1.100 Wissenschaftler:innen, Künstler:innen und Kulturschaffende einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie die akademische Autonomie verteidigen und vor politischer Einmischung warnen.

Der am 16. März 2026 veröffentlichte Brief kritisiert Versuche, die verfassungsmäßigen Garantien für die freie Meinungsäußerung zu untergraben. Gleichzeitig wird Solidarität mit der Rektorin der Akademie, Donatella Fioretti, bekundet, die zunehmend unter Druck gerät – unter anderem durch eine Petition, die ihren Rücktritt fordert.

Auslöser der Kontroverse war al-Sharifs geplanter Auftritt an der Kunstakademie Düsseldorf, der wegen früherer Social-Media-Posts der Künstlerin für Empörung sorgte. Kritiker:innen warfen ihr Antisemitismus vor und forderten die Absage der Veranstaltung. Nach einer rechtlichen Prüfung stellte sich heraus, dass ihre Äußerungen nicht gegen das Strafrecht verstoßen und unter den Schutz der Meinungsfreiheit fallen. Aufgrund von Drohungen fand die Veranstaltung jedoch nur intern und ausschließlich für Mitglieder der Akademie statt.

Seitdem hat sich der Druck auf die Institution weiter verschärft. Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller (CDU) unterzeichnete eine Petition, die Fiorettis Rücktritt fordert, und auch andere Politiker:innen wie Mona Neubaur üben Kritik. Die Rektorin soll nun am kommenden Mittwoch vor einer Sonderitzung des Kultur- und Medienausschusses des Landtages aussagen.

Dagegen formiert sich nun breiter Widerstand: Ein Bündnis aus Künstler:innen, Wissenschaftler:innen und Kulturschaffenden wehrt sich gegen die Angriffe. Der offene Brief, initiiert von Persönlichkeiten wie dem Fotografen Wolfgang Tillmans, der Philosophin Susan Neiman und der Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger, warnt davor, dass der Streit politische Einmischung in Universitäten normalisieren könnte. Die Unterzeichnenden lehnen es ab, künstlerische und akademische Freiheit als "Tarnmantel" zu diffamieren – ein Begriff, der ursprünglich von der rechtspopulistischen AfD geprägt wurde. Solche Rhetorik stelle grundlegende Rechte pauschal unter Generalverdacht, heißt es in dem Schreiben.

Der Brief betont, dass Artikel 5 des Grundgesetzes die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Lehre schütze – selbst bei umstrittenen oder unpopulären Positionen. Die Unterzeichnenden fordern die Politik auf, sich klar zu diesen Schutzrechten zu bekennen und Zensur in jeder Form abzulehnen. Ohne klare Grenzen, so die Warnung, könnte der aktuelle Fall einen gefährlichen Präzedenzfall für weitere politische Einflussnahme auf Kultur- und Bildungseinrichtungen schaffen.

Der offene Brief markiert eine deutliche Zuspitzung in der Verteidigung akademischer und künstlerischer Unabhängigkeit. Fiorettis anstehende Aussage vor dem Landtag wird die Debatte weiter in der Öffentlichkeit halten. Gleichzeitig deuten die rechtliche Einschätzung zu al-Sharifs Äußerungen sowie die breite Unterstützung für die Autonomie der Akademie darauf hin, dass sich die Diskussion künftig vor allem um die Frage drehen wird, wo die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und politischer Kontrolle verläuft.

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