Warum Gold in Krisenzeiten zum sicheren Hafen wird – trotz aller Risiken
Finn HoffmannWarum Gold in Krisenzeiten zum sicheren Hafen wird – trotz aller Risiken
Gold gilt seit jeher als einzigartiger Wertspeicher, losgelöst vom Finanzsystem. Im Gegensatz zu den meisten Vermögenswerten besitzt es einen intrinsischen Wert und ist nicht von den Schulden Dritter abhängig. Diese Eigenschaft gewinnt an Bedeutung, angestachelt durch wachsende Sorgen vor Kontrahentenrisiken und geopolitischen Spannungen.
Die Vorstellung, dass Gold sich von kreditbasierten Vermögenswerten abhebt, reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. Bereits 1912 erklärte der Finanzier John Pierpont Morgan berühmterweise: "Gold ist Geld – alles andere ist Kredit." Seine Worte hallen bis heute nach, besonders in einer Zeit, in der Anleger nach Wegen suchen, ihr Vermögen außerhalb des traditionellen Bankensystems zu schützen.
Die Erfahrungen Deutschlands mit der Goldrückholung verdeutlichen diese Bedenken. Zwischen 2013 und 2017 verlegte die Bundesbank 674 Tonnen Gold zurück nach Deutschland – 300 Tonnen aus New York und 374 Tonnen aus London. Der Beschluss fiel vor dem Hintergrund zunehmender Unbehaglichkeit, die eigenen Reserven im Ausland zu lagern. Der Wert des im Ausland gelagerten deutschen Goldes, das 2005 noch 13,6 Milliarden Euro betrug, war bis zum Ende der Rückholaktion auf etwa 177 Milliarden Euro angestiegen.
Doch selbst physisches Gold ist nicht vollständig risikofrei. Der Überfall auf eine Sparkassenfiliale in Gelsenkirchen im Jahr 2023 offenbarten Schwachstellen, als Diebe Gold aus einem Banktresor stahlen. Zwar birgt Gold selbst kein Kontrahentenrisiko, doch die Lagerung in Finanzinstituten führt genau dieses Risiko wieder ein. Anleger in "Papiergold"-Produkten wie Xetra-Gold oder Euwax-Gold setzen sich sogar noch größeren Gefahren aus, da diese Instrumente auf Zwischenhändler angewiesen sind.
In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Goldpreise stark gestiegen und haben die Risiken für diejenigen erhöht, die das Edelmetall besitzen. In Krisenzeiten wird die Abwesenheit von Kontrahentenrisiken zur größten Stärke des Goldes – allerdings nur, solange es außerhalb des Bankensystems bleibt.
Die Forderungen, mehr deutsches Gold ins Inland zurückzuholen, spiegeln die allgemeinen Ängste um die Finanzstabilität wider. Die Unabhängigkeit des Metalls von Schulden und Banken macht es zu einer Absicherung gegen worst-case-Szenarien. Angesichts seines steigenden Wertes und der Rückholungsbemühungen unterstreicht Gold weiterhin seine bewährte Rolle als Schutzschild in unsicheren Zeiten.
New Calls to Repatriate German Gold Amid Geopolitical Tensions
Calls to repatriate Germany's 1,236 tonnes of gold from New York have intensified in 2026. FDP politician Marie-Agnes Strack-Zimmermann warns of risks under Trump's presidency, while experts like Jager argue the Fed could use gold as a 'bargaining chip'. 'Trump is unpredictable and he does everything to generate revenue,' Jager said. The Bundesbank, however, maintains there is currently no reason to move reserves, stating 'our ability to act is guaranteed' with half of gold already in Frankfurt.






