13 June 2026, 16:04

Wiener Festwochen 2024: Wenn Kunst den Tod inszeniert und Tabus bricht

Wien Festival: Ritualisierte Todesekstase

Wiener Festwochen 2024: Wenn Kunst den Tod inszeniert und Tabus bricht

Die Wiener Festwochen 2024 haben mit einer kühnen Auseinandersetzung mit Leben, Tod und dem Makabren begonnen. Eines der markantesten Stücke des Festivals, Angélica Liddells Seppuku: Die Beerdigung Mishimas oder die Lust am Sterben, feierte am 18. April im Volkstheater Premiere. Unter dem zentralen Motto Republik der Götter präsentiert das Festival zudem Werke von Philippe Quesne, Florentina Holzinger und anderen.

Liddells Performance speist sich aus einer tief persönlichen Erfahrung: Am 7. Januar 2024 wurde sie in Madrid Zeugin des Suizids einer Frau – ein Erlebnis, das sie dazu trieb, das Leben jener zu erforschen, die sich bewusst für den eigenen Tod entscheiden. In Seppuku trägt sie die Kleidung der Verstorbenen und gibt deren Geschichten eine Stimme, verwoben mit dem Schicksal des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, der seinen Tod durch rituellen Selbstmord inszenierte.

Die zweistündige Produktion inszeniert Mishimas Seppuku neu und verbindet dies mit Liddells expressiver Performance-Kunst, zu der auch das Mischen und Verspritzen von (künstlichem) Blut gehört. Das Stück enthält eine ekstatische Verherrlichung des Suizids, durchbrochen von abrupten Momenten und schwarzem Humor. Daneben zeigt das Festival Philippe Quesnes dystopisches Vampirberg sowie Florentina Holzingers Mythen des Alltags und Pfingstspiel.

Die Inszenierungen des Festivals eint eine Dramaturgie, die die vielfältigen Themen zusammenführt. Seppuku sticht durch seine schonungslose Konfrontation mit der Sterblichkeit und künstlerische Intensität hervor. Das Publikum darf sich auf Grenzen sprengende Aufführungen gefasst machen, die tiefgründige menschliche Fragen ausloten.

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