Untersuchung findet keine Beweise für rituelle Gewalt in deutschen Bistümern

Ben König
Ben König
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Katholische Kirche St. Anna, ein Gebäude mit einer Tür, Treppe, Geländer, Pflanzen und einer Tafel mit Text darauf, beleuchtet von Lichtern.Ben König

Untersuchung: Keine Hinweise auf Ritualmissbrauch in Diözesen - Untersuchung findet keine Beweise für rituelle Gewalt in deutschen Bistümern

Unabhängige Untersuchung findet keine Beweise für rituelle Gewalt in deutschen Bistümern

Eine unabhängige Untersuchung zu Vorwürfen ritueller Gewalt in mehreren deutschen Bistümern hat keine konkreten Belege für die erhobenen Anschuldigungen gefunden. Der von der Kölner Anwaltskanzlei Feigen-Graf erstellte Bericht prüfte Vorwürfe gegen hochrangige Kirchenvertreter, darunter Kardinäle und Bischöfe, konnte jedoch keine Hinweise auf schwere Straftaten wie Vergewaltigung, erzwungene Abtreibungen oder Tötungsdelikte ermitteln. Stattdessen deutet die Untersuchung darauf hin, dass suggestive therapeutische Praktiken zur Entstehung falscher Erinnerungen bei Betroffenen beigetragen haben könnten.

Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand das Bistum Münster, wo im März 2023 eine Beratungsstelle für Opfer organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt geschlossen wurde – Monate, nachdem bereits Bedenken geäußert worden waren. Kritiker werfen vor, die Schließung sei zu spät erfolgt und habe mögliche Schäden länger andauern lassen, als nötig gewesen wäre.

Der Feigen-Graf-Bericht wertete Aussagen von Personen aus, die angaben, rituellen Missbrauch durch Kleriker erlitten zu haben. Viele dieser Schilderungen nannten hochrangige Kirchenvertreter, darunter Bischöfe und Kardinäle, als Täter. Die Ermittler fanden jedoch keine objektiven Beweise, die die Behauptungen über organisierte Netzwerke oder systematische Gewalt stützen würden.

Zu den Befragungen der Betroffenen gehörten auch psychologische Bewertungen ihrer Zeugenaussagen. Zwar blieb die genaue Zahl der befragten Personen ungenannt, doch der Bericht verwies darauf, dass frühere Beratungsangebote in Münster ihre Beteiligung an Gedächtnisrückführungsversuchen vertieft haben könnten. Den Erkenntnissen zufolge könnten in solchen therapeutischen Settings Hetero- und Autosuggestion eine Rolle bei der Bildung falscher Missbrauchserinnerungen gespielt haben.

Die Untersuchung analysierte zudem die Methoden von Therapeuten, die mit den Anspruchstellern arbeiteten. Zwar wurden keine spezifischen Therapieansätze als direkte Ursache für falsche Erinnerungen identifiziert, doch der Bericht betonte das Potenzial suggestiver Einflüsse in solchen Kontexten. Die Münsteraner Beratungsstelle, die bis Anfang 2023 in Betrieb war, wurde als zentraler Faktor ausgemacht, der die Erzählungen von ritueller Gewalt bei Hilfesuchenden verstärkt haben könnte.

Trotz der Schwere der Vorwürfe – von sexualisierter Gewalt bis hin zu Mord – kam die Untersuchung zu dem Schluss, dass keine nachweisbaren Straftaten stattgefunden haben. Stattdessen verwies sie auf die unbeabsichtigten Folgen gut gemeinter, aber fehlerhafter therapeutischer Ansätze, die bei Betroffenen möglicherweise zu verzerrten Erinnerungen an nie geschehene Ereignisse geführt haben.

Die Feigen-Graf-Untersuchung wies die Behauptungen über flächendeckende rituelle Gewalt in den Bistümern letztlich zurück. Zwar anerkennt der Bericht das echte Leid derer, die sich gemeldet haben, doch er unterstreicht das Fehlen faktischer Belege für ihre Anschuldigungen. Die Ergebnisse werfen nun Fragen zur Rolle therapeutischer Praktiken bei der Entstehung falscher Narrative auf – sowie zur Rechtzeitigkeit von Maßnahmen wie der Schließung der Münsteraner Beratungsstelle. Das Bistum steht nun vor der Aufgabe, Betroffene zu unterstützen und gleichzeitig künftig vor suggestiven Einflüssen in der Therapie zu schützen.

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